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Gartenlaube No 7 im Gewitter
Hormone und Seifenblasen
Operationen unter Falscher Flagge
Berlin, Muenchen, Hamburg –> Kurzenhagen: Ein Klassentreffen spuelt die ehemaligen Mitschueler Tom, Linda und Bernhard zurueck in ihr Provinzkaff bei Hannover.
   Der ehemals schuechterne Tom hat sich zum Regisseur der beliebeten TV-Vorabendserie "Hass und Liebe" gemausert. Seine unerwiderte Jugendliebe Linda steht vor ihrer vierten Scheidung. Und Bernhard, Lindas erster Ex-Mann, tobt sich nicht mehr als Moechtegern-Revolutionaer bei subversiv-konspirativen Treffen in Lindas alter Liebeslaube, sondern als kritischer Journalist bei einer alternativen Tageszeitung aus.
    Das Treffen reisst alte Wunden auf und schuert neue Hoffnungen. Nach dem Vierteljahrhundert Distanz meinen die drei Qualitaeten aneinander zu erkennen, die sie frueher nie wahrgenommen hatten, und Tom sieht fuer sich und Linda endlich den beruehmten Silberstreif am Horizont. Bei ihrem mit grossen Erwartungen aufgeladenen Rendezvous in der geschichtstraechtigen Laube kommen die beiden zum erotischen Showdown. Doch nicht nur hilfsbereite Kleingaertner und ein Gewittersturm krachen den Turteltauben in die Quere...
Kapitel

1: Yesterday
2: Hass und Liebe
3: Die Mimese der Mimose
4: Einladung aus der Vergangenheit
5: Engelchen auf Wolke Sieben
6: 1 flotter Dreier, 3 schlimme Ps und 5 tote Statistinnen
7: False Flag Operations
8: Engelchen im Tigerbikini
9: Lindas Liebeslaube, oder: Date mit Donnerwetter
10: Alle kommen
11: Baerchen, Bondage und der ganz grosse Blues
12: Das Geheimnis der "Sieben"
13: Im Paradies und was danach noch passierte

Lindas Liebeslaube mit Blitz
Arafat traeumt von habitablen Zonen Die Personen

Carola Hoffmann – laedt zum Klassentreffen ein
Tom Dithon – dirigiert "Hass und Liebe" und "Schein und Sein"
Nana Templin – agiert in "Schwein oder nicht Schwein"
Linda Engel – eliminiert Negatives, indem sie es ignoriert
Franziska von Lauenstein – gehoert zu den "1 %"
Bernhard Rainer Daubner – bemueht sich um echte Brillanz
Arafat – traeumt von Gini-Koeffizienten und habitablen Zonen
Andrea Sperling – ist mit einem Specht verheiratet
Oliver Specht – hat Probleme mit schluepfrigen Seifen
Ruediger Voss – huetet glaeserne Geheimnisse
Ursel – sticht alle im Sticheln aus
Kay – ist noch jung und hat schon eine Krise mit Leichen
Mecki Graf – taucht nie auf, ist aber immer allen praesent
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HORMONE UND SEIFENBLASEN
ist als Taschenbuch und eBook erhaeltlich
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Leseproben:
Haendel-Gymnasium Kurzenhagen
Das Kurzenhagener Haendel-Gymnasium hatte zwar einen erfolgreichen Schueler aus Thomas Dinker-Thon gemacht, aber mit ihm auch jemanden von der schulischen Spielwiese ins wahre Leben entlassen, der als Mensch ein einziges grosses Versagen verkoerperte. Tom war unsicher, schuechtern, aengstlich und ueberempfindlich gewesen, hatte absolut kein Selbstvertrauen gehabt und konnte sich nicht durchsetzen. Und mit seiner unmaennlichen Eunuchenstimme ohne Tiefen und Mittelregister hatte er die personifizierte Jaemmerlichkeit abgegeben. Kein Wunder also, dass er wohl als einziger Schueler bis zum Abi noch Jungfrau geblieben war!
Blick durch ein Jugendstilfenster auf den Olympiaturm Muenchen
Linda zog eine "Galant" aus dem Stapel mit Zeitschriften und blaetterte sie kurz durch, bis sie ein Foto von Tom Dithon fand. Es zeigte ihn in Galakleidung bei der Verleihung eines Filmpreises fuer HUL. – Deswegen also hatte Linda ihn nie erkannt. Mit seinem Silberhaar war er einfach nicht mehr wiederzuerkennen. Aber auch nicht mit dieser eleganten Kleidung. Und auf keinen Fall haette sie ihn bei einem Anlass wie einer Filmpreisverleihung vermutet. – Wow, was hatte dieses Weichei aus sich gemacht!
    Ob der wohl durch den Ruhm auch zum kalten Egomanen geworden war? Oder gab es das vielleicht doch noch: einen Mann, der trotz Erfolg sensibel, aufmerksam und feinfuehlig blieb?
Blick durch ein Altbaufenster auf den Hamburger Hafen
Arafat schuettelte den Kopf: Bernhard und die anderen Zweibeiner waren mehr als nur merkwuerdig! Mal waren sie klug, mal unlogisch und irrational. Seinem Herrchen gelang leider nicht bei jedem Artikel ein geistiger Hoehenflug. Bernhard durfte zwar stolz auf die Produkte seines Wirkens sein, wenn er sich ueber die Ungerechtigkeiten der Starken gegenueber den Schwachen empoeren konnte. Doch so ein abstraktes Thema wie die "Inwertsetzung von Naturressourcen durch Genpatente" entfachte einfach nicht genuegend Leidenschaft in dem kritischen Journalisten.
    Ein Gruss der grossen weiten Welt, das dreimalige tiefe Tuten eines auf der Elbe einlaufenden Ozeanriesen, riss Arafat aus seinen Reflexionen ueber Gini-Koeffizienten, habitable Zonen, Genpatente und die Dummheit der Zweibeiner und holte ihn wieder in die einfallslose Realitaet der kleinen Altbauwohnung am Hamburger Hafenrand zurueck.
Blick durch eine modernisierte Fachwerkfensterfront auf einen Garten mit der Leuchtreklame des Neuen Studios Berlin auf dem Grundstueck nebenan
Tom dachte kurz nach. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die auch noch ueber das Patriarchat diskutiert haben. Die waren wohl schon mit dem Kapitalismus und dem Imperialismus ueberfordert."
    "Ja!" Nana nickte und klang wie eine Oma, die ihrem Enkel den Kopf taetschelt: "Das kann einen aber auch manchmal ziemlich ueberfordern!"
    "Ich meine, sie waren mit gleich zwei so umfangreichen Themen ziemlich ueberfordert", korrigierte Tom seine erste Formulierung.
    Sie kamen vor Toms Haus an, direkt neben dem Studiogelaende des NSB.
    "Ich weiss schon, wie du das meinst." Nana hakte sich aus, um den Schluessel aus ihrer Tasche zu holen. "In einem Punkt muss ich dich aber enttaeuschen: Carola hat eine aktuelle Adressenliste zusammengestellt und darin fehlt deine teure 'Marilyn Bardot'."
    "Redest du von Linda Engel?" Tom war leicht unangenehm beruehrt. Zum einen, weil er nicht bemerkt hatte, dass Nanas Missverstehen seiner Ungenauigkeit nur gespielt gewesen war und er sie fuer duemmer gehalten hatte als sie wirklich war. Und zum anderen, weil ihm sein Albtraum von neulich zusammen mit Carolas Einladung zu einem Klassentreffen nun als duesteres Omen erschien. Als Bedrohung seines sorgsam aufgebauten Daseins als Tom Dithon.
    Nana seufzte auf. "Ach Tom, wir beide wissen schon ganz genau, was der andere meint! – Auch wenn wir uns mal nicht eindeutig ausdruecken."
Bombe mit brennender Lunte
Rudi grinste verschwoererisch. "Erinnerst du dich noch an 'FF' und 'CO'?"
    Lindas Gedaechtnis sprudelte Erinnerungen an duestere, konspirative Treffen mit Bernhard, Rudi, Olli, Franzi und Andrea in der Gartenlaube hervor. Ueber Formen buergerlicher Herrschaft und ueber Spassguerillaaktionen hatten sie diskutiert. Und ueber Operationen unter "Falscher Flagge" oder "Covert Operations". Insbesondere die damals topaktuelle Geschichte um das "Celler Loch" war von den Sechs in der "Sieben" bis ins letzte Detail breitgetreten worden. Hatten sie mit dieser Story doch "ihre" eigene CO direkt vor der Haustuer gehabt. Zumindest war die revolutionaere Kleingartentruppe in Kurzenhagen nur dreissig Kilometer von dem beruehmten Loch entfernt gewesen, das der niedersaechsische Verfassungsschutz im Namen der RAF in die Wand der Celler Justizvollzugsanstalt gebombt hatte.
    Linda erinnerte sich sehr gut. Ueber Diskussionen waren sie nie hinausgekommen. Sie waren nie viel mehr gewesen als Stimmungsmacher. Die Einleitung zum Hauptakt, das Vorspiel zum "Hoehepunkt" des Abends, der natuerlich im Bett stattgefunden hatte. Richtig: Diese "konspirativen Debatten" in der Gartenlaube waren nichts weiter gewesen als das Vorspiel fuer den Abschluss im Bett, eben Operationen unter falscher Flagge!
Tigerbikini
In der Bademodenabteilung des Kaufhauses stand Linda neben einem Staender und schob einen Bikini nach dem anderen beiseite. Sie war ausgefallenere und luxurioesere Modelle als diese billige Stangenware aus dem Kaufhaus gewohnt. Nach einer kurzen Vorauswahl hielt sie sich abwechselnd einen schwarzen und einen jadegruenen Bikini vor ihr beachtliches Dekolletee und betrachtete sich im Spiegel. Sie hasste es, wenn ihr unterstellt wurde, sie habe mit Silikon nachhelfen lassen. Linda Engel hatte weder politische noch erotische False Flag Operations noetig. An ihr war alles echt! Schliesslich entschied sie sich fuer einen Bikini mit gelb-schwarzem Tigerstreifenmuster und eilte zurueck zu Tom und seinem kleinen Anhang.
   
Vereinsschild der Laubenkolonie Abendfrieden
Tom und Linda parkten auf dem Platz vor einer groesseren Ansammlung von Schrebergartenparzellen. Ueber dem Eingang der Laubenkolonie thronte das Namensschild: "ABENDFRIEDEN". Tom war vorher noch nie in der Gartenkolonie Kurzenhagens gewesen. Seine Eltern hatten die Meinung vertreten, dass Kleingaerten nur etwas fuer "kleine" Leute waeren und eine Familie Dinker-Thon so etwas nicht noetig haette. Diese Duenkelhaftigkeit seiner Eltern war Tom immer peinlich gewesen.
    Sie betraten den Hauptgang der Hobbygaertneridylle. Er war nur sehr spaerlich von einigen Laternen beleuchtet und vor einer der angrenzenden Huetten sassen ein paar Laubenbewohner in gemuetlicher Runde und grillten.
Laterne in der Laubenkolonie Abendfrieden
Linda stoehnte ihren Gedanken laut heraus: "Ach, was waren wir damals dumm und oberflaechlich!"
    Tom laechelte. "Nein wir waren jung und unerfahren, dann ist das eben so."
    Hach Gott, er war ja so suess! Tom war so voller Milde und Weisheit. Und er war so unglaublich verstaendnisvoll. Aber Linda riss sich zusammen. Ihr ehemaliger Mitschueler sollte nicht merken, wie sehr er sie beeindruckt hatte – und schon gar nicht, wie einfaeltig sie sich selbst gerade vorkam.
    Mit ihrer Vermutung, Tom koennte eine ausgepraegte Sensibilitaet besitzen, hatte sie also richtig gelegen. Aber Tom kannte sich sogar in den Seelen der Menschen gut aus, die andere Bedingungen hatten als er selbst. Er konnte ihre Gefuehle mitempfinden, obwohl er ihre Erfahrungen gar nicht teilte. Auch hatte er sich auf seine Privilegien nie etwas eingebildet, im Gegenteil: er schaemte sich sogar fuer seine Vorteile. Und trotz aller Hartherzigkeit in seiner Familie hatte sich dieser wundervolle Mann bis zum Regisseur von HUL hochgearbeitet? Tom war absolut bewundernswert!
    Linda schmolz dahin. Genauso wie ihr Selbstwertgefuehl. Wie Toms Stimme frueher immer ohne stabilisierende Mittellage zwischen den Extremregistern umgeschlagen war, so sprang es zwischen positiv und negativ hin und her. Heute Morgen noch war sie sich ganz toll vorgekommen: gut aussehend, sexy, attraktiv, begehrenswert. Aber nun fuehlte sie sich einfach nur noch klein und dumm an der Seite dieser schillernden Persoenlichkeit neben ihr. Und ein so unkontrolliert herumjodelndes Selbstwertgefuehl fuehlte sich nicht besonders gut an. Es hatte etwas von manisch-depressiv im Akkord.
Eingang Kolonie Abendfrieden
Nachdem Tom sich ausgezogen und ins Bett gelegt hatte, beobachtete er, wie der Regen an sein Fenster prasselte. Die Blitze warfen immer wieder kurz den Schatten des Fensterkreuzes an die gegenueberliegende Wand.
    Tom konnte einfach nicht einschlafen. Irgendwas stimmte nicht. Irgendwas war falsch. Unruhig waelzte er sich im Bett hin und her, waehrend der Wind immer heftiger den Regen gegen das Fenster peitschte. Nach einer Weile stand er wieder auf, trat ans Fenster und redete beschwoerend auf sich ein: "Positiv denken, du skeptischer Pessimist! Positiv!"
Blick durch ein Fenster auf Blitz
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